Licht in die Kunstsammlung Bührle!

IG Transparenz

Offener Brief
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4. Dezember 2020

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin

Wir sind besorgt.

Die neusten Ergebnisse der Forschung zeigen schwerwiegende Mängel bei der Aufarbeitung von Raub- und Fluchtkunst in der Sammlung Bührle auf.

Die Unterzeichnenden dieses offenen Briefs fordern Sie deshalb freundlich auf, in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus für mehr Transparenz zu sorgen.

1. Ein Dokumentationsort wird der Sammlung Bührle räumlich vorgelagert. Mit Bild, Text und Ton soll an prominenter Stelle die Entstehungsgeschichte der Sammlung Bührle dargestellt werden.

2. Der Ort ist frei und unentgeltlich zugänglich. Besucherinnen und Besucher des Kunsthauses Zürich – vor allem auch Schulklassen – können sich am Dokumentationsort Bührle auf anschauliche Weise mit Raub- und Fluchtkunst auseinandersetzen: vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Leben von Emil Georg Bührle, die Geschichte seiner Kunstsammlung und der Zusammenhang mit seinen Geschäften als Waffenhändler werden visualisiert und hörbar gemacht. Der Dokumentationsort stellt die Herkunft der Bilder in der Sammlung Bührle dar (Provenienz), zeigt, wie unter dem Druck der Nazis in Deutschland diese Bilder aus zumeist jüdischem Vorbesitz verkauft wurden und in die Sammlung Bührle gelangten.

3. Ein von der Stadt eingesetztes unabhängiges Expertenteam ist für die Einrichtung und Gestaltung dieses Dokumentationsorts Bührle verantwortlich.

4. Der Dokumentationsort Bührle stellt die Verflechtung von Waffengeschäft, Kapital und Kunst dar. Er informiert auch darüber, wie der Unternehmer Bührle von Zwangsarbeit im Konzentrationslager Ravensbrück profitiert hat. Jüdinnen, Polinnen und andere Frauen mussten für Bührles Unternehmen in der Waffenproduktion tätig sein.

5. Das im Kunsthaus Zürich eingelagerte Archiv der Sammlung Bührle wird ohne Einschränkungen zugänglich gemacht.

6. Stadt und Kanton Zürich erteilen weitere Forschungsaufträge, um folgende Punkte zu klären: Zwangsarbeit, Selbstdarstellung der Stiftung Bührle in der Öffentlichkeit, Umgang der Stiftung mit ihrem Archiv, Verflechtungen der Stiftung mit der Zürcher Kunstgesellschaft und dem Kunsthaus Zürich und eine kritische Auswertung der Provenienzforschung in Bezug auf alle im Kunsthaus Zürich gelagerten Kunstwerke. Weiter soll die Forschung die Haltung der Kunsthaus-Gesellschaft während der Zeit des Nationalsozialismus abklären.

7. Der Leihvertrag zwischen der Zürcher Kunstgesellschaft und der Stiftung Bührle wird öffentlich gemacht.

8. Der Forschungsbericht Leimgruber erscheint anlässlich der Eröffnung des Neubaus als Buch.

Begründung:
 
Im Jahr 2015 hat eine Autorengruppe das Schwarzbuch Bührle veröffentlicht. Dieses Buch lieferte den Anstoss, dass Stadt und Kanton Zürich der Universität einen Forschungsauftrag erteilten. Nun ist die Studie Leimgruber der Universität Zürich erschienen: über den Waffenfabrikanten Emil Georg Bührle und dessen Kunstsammlung. Der Historiker Jakob Tanner hält in einem Gutachten fest, dass der Forschungsbericht Leimgruber für die Geschichte der Schweiz und Zürich von grosser Tragweite ist.

Die Auseinandersetzung über die Entstehung dieses Forschungsberichts hat gezeigt, dass die Erinnerung an die dunklen Flecken unserer neueren Vergangenheit nur unter Einbezug der kritischen Öffentlichkeit geleistet werden kann und nicht der Zürcher Kunsthausgesellschaft und der Stiftung Bührle allein überlassen werden darf.

Zürich hat nun die Gelegenheit, beispielhaft einen transparenten und innovativen Umgang mit einem belasteten und belastenden kulturellen Erbe zu realisieren.
Wir danken für die Unterstützung unseres Anliegens. Gerne überreichen wir Ihnen am 27. Januar 2021 um 13:00 Uhr die gesammelten Unterschriften vor dem Stadthaus.

Wir verbleiben mit freundlichen Grüssen

Für die Interessengemeinschaft «Transparenz für die Aufarbeitung und Vermittlung des Kunsthaus-Bührle-Komplexes» (IG-TBK):

Thomas Buomberger, Markus Knauss, Guido Magnaguagno und Heinz Nigg

Zu den Erstunterzeichnenden gehören: Dieter Bachmann, Nadia Bär, Guy Bollag, Marco Bischof, Angela Cadruvi, Ruedi Christen, Hans-Jürg Fehr, Urs Frey, Thomas Geiser, Tim Guldimann, Erich Gysling, Bänz Friedli, Wolfgang Hafner, Katharina Henking, Svenja Herrmann, Thomas Imbach, Markus Imhoof, Maria und Hans-Ueli Iselin, Hans-Ulrich Jost, Elisabeth Joris, Dominik Landwehr, Jo Lang, Charles Linsmayer, Erich Keller, Mathias Knauer, Daniela Koch, Eva und Pierre Koralnik, Robert Kopp, Georg Kreis, Christian Labhart, Regula Markun Heusser, Ueli Mäder, Isabelle Menke, Klaus Merz, Roy Oppenheim, Gabi Petri, Jacques Picard, Marianne Pletscher, Andrea F. G Raschèr, Ilma Rakusa, Andreas Rieger, Monika Roth, Samir, Isolde Schaad, Beat Schläpfer, Christian Schmid, Erich Schmid, Christine Seidler, Andreas Simmen, Angela Thomas Bill, Ursina Von Albertini, Stanislaus von Moos, Stina Werenfels, Dina Wyler.    

Beantwortung der Petition durch die Stadtpräsidentin 
Replik der IG Transparenz

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